Leistungsabweichung Wurfarme: Revo 7 Pistolenarmbrust
- 28. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Zusammenfassung
In diesem Artikel will ich mein neues "Spielzeug/Sportgerät" vorstellen und eine Leistungsmessung meiner Wurfarme (90 lbs und 120 lbs) vornehmen. Durch ein Video von Jörg Sprave bin ich auf die Idee gekommen. In dem Video hat Jörg Sprave meherer Wurfarme von Steambow gemessen und konnte eine signifikante Abweichung bei der gemessenen zur spezifizierten Leistung feststellen. Und da ich erst vor einigen Tagen meinen neuen 120 lbs Wurfarm für die Revo 7 erhalten habe, bot sich ein Versuch diesbezüglich an - insbesondere weil die Eindringtiefe für mich nicht signifikant tiefer erschien als beim 90 lbs Wurfarm. Daher wollte ich sicher gehen und den Neuen und "Alten" Wurfarm auf die Probe stellen. Aus den Messdaten werde ich auch die optimale Wurfarm-Bolzen-Kombination ermitteln und aufzeigen was Revo 7 Besitzer bzw. zukünftige Besitzer von dieser Armbrust erwarten können.
Vorab: Revo liefert vollkommen ordnungsgemäß im Toleranzbereich und mein Eindruck trügt :-)
Revo 7
Seit Ende April bin ich stolzer Besitzer einer Pistolenarmbrust von EK Archery aus Taiwan. Dieses Sportgerät zeichnet sich durch eine hochwertige Verarbeitung, Zuverlässigkeit und hohe Leistung aus. Die Armbrust ist als Sportgerät sowie zur Home Defense konzipiert. Im Standardlieferumfang befinden sich die Armbrust mit 90 lbs Wurfarm, ein Magazin für 7 Bolzen, 10 Carbon-Trainingspfeile (6,5 Zoll und Durchmesser 5,5mm), Red Dot Visier, 1x Sehnenwachs, eine Ersatzsehne sowie zwei Ersatz-Wurfarmendkappen.
Als Zubehör habe ich mir einen verschließebaren Waffenkoffer*, ein weiteres Magazin für 7 Bolzen, eine Anbau LED für die seitliche Picatinny-Schiene, einen 120 lbs Wurfarm geholt sowie mehrere unterschiedliche Bolzen (Bodkins, Broadheads, Kriegspfeile, etc.)
* Die Aufbewahrung in einem verschließbaren Behältnis ist nach Waffenrecht auch zwingend erforderlich, da Armbrüste sicher und vor unbefugtem Zugriff geschützt aufbewahrt werden müssen.
Der 90 lbs Wurfarm soll lt. Hersteller bis zu 235 FPS bei Bolzen mit 142 gn (auch Grain, 1 gn = 0,06479 g) erreichen.
Der 120 lbs Wurfarm ist sogar mit bis zu 250 FPS bei Bolzen mit 142 gn (also ca. ~9,2 g) spezifiziert.

QWORK Geschwindigkeitsmessgerät

Zur Messung der Austrittsgeschwindigkeit habe ich ein schlichtes und günstiges Geschwindigkeitsmessgerät eingesetzt (https://www.amazon.de/dp/B0CNGJSSDWef=ppx_yo2ov_dt_b_fed_asin_title). Dieses Messgerät funktioniert sehr simpel mit Infrarot-LEDs, die auf einen Infrarot-Sensor strahlen. Durchquert ein Geschoß den Bogen, so wird die Infrarotbrücke für einen kurzen Augenblick unterbrochen - dieser Zeitpunkt legt den Startzeitpunkt fest. Durchquert das Geschoß den zweiten Bogen, dann wird der Endzeitpunkt gespeichert. Der Abstand zwischen den beiden Infrarotbrücken ist normiert und ermöglicht eine Geschwindigkeitsberechnung. Nehmen wir an, die beiden Bögen liegen 30 cm auseinander und der Bolzen benötigt 4,188 ms (t2 - t1) für diese Strecke, so beträgt die Geschwindigkeit des Bolzen:

Dies entspricht am Ende ~235 FPS (1 m/s = 3,28084 FPS).
48 € für dieses Gerät ist eigentlich unverschämt. So etwas kann man recht simpel mit einem Arduino selber bauen, aber leider habe ich im Moment keine Zeit darfür.
Messwerte
Ich habe nun mit meinem Messgerät und den Standard-Carbonbolzen jeweils 3 Testschüsse pro Wurfarm abgegeben. Der erste Messwert der Tabelle ist der höchste Messwert der 3 Testschüsse. Die folgenden Einträge habe ich mit der Faustregel für leichte Armbrüste interpoliert. Danach sinkt die Austrittsgeschwindigkeit mit jedem weiteren Gramm Bolzengewicht um ca. 5-7 FPS. Hier wäre in Zukunft eine Kontrollmessung sinnvoll, um die Richtigkeit der Faustregel für das vorliegende Setup zu bestätigen.
Die kinetische Energie (Einschlagskraft) berechnet man ganz einfach mit folgender Formel:

Wobei m die Masse und v die Geschwindigkeit des Bolzens ist.

120 lbs Wurfarm
Bolzengewicht in Gramm | Feets per Second (FPS) | Meter pro Sekunde | Kinetische Energie (Joule) |
|---|---|---|---|
9,2 g (142 gn) * | 253 | 77,1144 | 27,35450116 |
10 g (154 gn) | 248 | 75,5904 | 28,56954286 |
11 g (170 gn) | 243 | 74,0664 | 30,17207385 |
12 g (185 gn) | 238 | 72,5424 | 31,57439879 |
13 g (200 gn) | 233 | 71,0184 | 32,7834854 |
14 g (216 gn) | 228 | 69,4944 | 33,80630142 |
15 g (231 gn) | 223 | 67,9704 | 34,64981457 |
16 g (247 gn) | 218 | 66,4464 | 35,32099258 |
17 g (262 gn) | 213 | 64,9224 | 35,82680318 |
18 g (278 gn) | 208 | 63,3984 | 36,1742141 |
19 g (293 gn) | 203 | 61,8744 | 36,37019307 |
20 g (309 gn) | 198 | 60,3504 | 36,4217078 |
21 g (324 gn) | 193 | 58,8264 | 36,33572604 |
22 g (340 gn) | 188 | 57,3024 | 36,1192155 |
23 g (355 gn) | 183 | 55,7784 | 35,77914393 |
24 g (370 gn) | 178 | 54,2544 | 35,32247903 |
Wie man unschwer erkennt, erreicht die Armbrust einen Peak für die kinetische Energie bei 20 g Bolzen. Danach nimmt die Durchschlagskraft langsam ab. Im Maximum erreicht die Armbrust ~36 Joule an Energie. Was schon ein recht beachtlicher Wert ist und definitiv Angreifer abschrecken sollte.

90 lbs Wurfarm
Bolzengewicht in Gramm | FPS | Meter pro Sekunde | Kinetische Energie in Joule |
9,2 g (142 gn) * | 232 | 70,7136 | 23,0019008 |
10 g (154 gn) | 227 | 69,1896 | 23,9360037 |
11 g (170 gn) | 222 | 67,6656 | 25,1824838 |
12 g (185 gn) | 217 | 66,1416 | 26,2482675 |
13 g (200 gn) | 212 | 64,6176 | 27,1403225 |
14 g (216 gn) | 207 | 63,0936 | 27,8656165 |
15 g (231 gn) | 202 | 61,5696 | 28,4311173 |
16 g (247 gn) | 197 | 60,0456 | 28,8437926 |
17 g (262 gn) | 192 | 58,5216 | 29,1106102 |
18 g (278 gn) | 187 | 56,9976 | 29,2385377 |
19 g (293 gn) | 182 | 55,4736 | 29,2345428 |
20 g (309 gn) | 177 | 53,9496 | 29,1055934 |
21 g (324 gn) | 172 | 52,4256 | 28,8586571 |
22 g (340 gn) | 167 | 50,9016 | 28,5007017 |
23 g (355 gn) | 162 | 49,3776 | 28,0386949 |
24 g (370 gn) | 157 | 47,8536 | 27,4796044 |
Beim 90er Wurfarm liegt das Optimum hingegen bei 18 g Bolzen.

Fazit
Beim 120 lbs Wurfarm liegt eine Abweichung vom Sollwert von +1,2% vor. Beim 90 lbs Wurfarm hingegen von -1,3%, beides vollkommen im Toleranzbereich und mehr als akzeptabel. Die optimale Kombination für die maximale Durchschlagskraft liegt in etwa bei 300 gn für den 120 lbs Wurfarm und 278 gn beim 90 lbs Wurfarm. Schwerere Bolzen bringen ab dem Peak aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeitsabnahme keinen positiven Effekt mehr auf die Durschlagskraft. Mit 36 bzw. 28-29 Joule erreicht die Revo sehr gute Werte, die schwere Verletzungen bei einem Angreifer im Fall der Heimverteidigung verursachen können. Im Fall einer Apokalypse reicht die Durschlagskraft des 120 lbs Wurfarms auch zur Jagd von Kleinwild (Tauben, Ratten, Enten, Fasane, Eichhörnchen, Kaninchen, Hasen) und mittel-kleinem Wild (Fuchs, Marder, Waschbär, junger Dachs) aus. Rehe, junge Wildschweine, Schafe und Ziegen könnte man theoretisch ebenfalls erlegen, aber das wäre in der Regel nicht ethisch (waidgerecht). In Deutschland ist die Jagd mit Armbrüsten generell Verboten und von daher sind das lediglich fiktive Szenarien für den Weltuntergang ^^
Cheers.







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