Über ein Jahr Starlink (Gen2) - ein Rückblick
- 15. Apr. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Mai 2025
Warum Starlink?
Ich bin seit jeher ein technikverliebter Mensch und Starlink hat es mir mit seinen innovativen Technologien sehr schnell angetan. Als Starlink 2018 die ersten Satelliten ins All geschossen hat, da gab es eigentlich nur geostationäres Satelliteninternet - teuer, schlechte Latenzen und geringe Bandbreite. Mit Starlink änderte sich dies schnell.
Da Starlink ein Tochterunternehmen von SpaceX ist, kann man auf wiederverwendbare Trägerraketen zurückgreifen, die eine relativ kostengünstige Beförderung von Satelliten ins Weltall ermöglichen. Darüber hinaus hat Starlink die Phased-Array-Antennen-Technolgie perfektioniert und für die zivile Nutzung tauglich gemacht - zuvor wurde diese Technolgie nur militärisch genutzt. Hierdurch lassen sich die Preise und Betriebskosten von Empfängerterminals massiv reduzieren. Und zu guter Letzt setzen auch die Starlink-Satelliten innovative Technolgien wie Ionenantrieb mit Krypton und optische Laser für die Intersatellitenkommunikation ein. All dies führt dazu, dass man Starlink zu konkurrenzfähigen Preisen gegenüber DSL und Glasfaser anbieten kann. Derzeit kosten Starlink 50 € pro Monat und ist monatlich kündbar.
Neben der technischen Begeisterung ist für mich als freiheitsliebender Mensch auch die Unabhängigkeit von staatlicher Kontrolle ein wichtiges Argument. Deutschland ist kein Unrechtsstaat, aber sollte es sich jemals in einen verwandeln, dann kann man sich mit Starlink der staatlichen Kontrolle und Willkür widersetzen. DSL und Glasfaser laufen in Knotenzentren zusammen und der Datenverkehr kann dort ohne weiteres mitgeschnitten werden - ob die Verschlüsselung standhält steht auf einem anderen Blatt. Auch können die abrufbaren Inhalte über "Firewalls" gesteuert werden (siehe Türkei und China). Mit Starlink kann man diesen Einschränkungen entkommen. Selbst wenn alle Starlink-Groundstations in einem Land von staatliche Akteuren besetzt oder abgeschaltet werden würden, so könnte man weiterhin auf weit-entfernte Groundstations in anderen Ländern zurückgreifen - ja die Laufzeiten verschlechtern sich, aber was opfert man nicht alles für ein freies Internet. Ebenfalls lässt sich die Kommunikation zwischen Terminal und Satellit und von Satellit nach Satellit von staatlichen Akteuren nicht überwachen/mitschneiden.
Richtig ist aber auch, dass Starlink einem einzelnen Milliardär gehört. Dieser kann entgegen meinem Interesse handeln und meine Kommunikation unterbinden oder überwachen. Von daher sollte man Starlink auch niemals eingleisig fahren und weiterhin einen Festnetzanschluss vorhalten.
Vorbereitung
Installationsaufbau und Installationsstandort

Die Starlink-Satellitenschüssel wird außerhalb des Hauses installiert. Hierfür wählt man am Besten eine Position auf dem Dach oder an der Dachtraufe. Besonderes Augenmerk sollte man auf die freie Sicht der Satellitenschüssel gen Himmel legen (siehe Darstellung unten).

Ich habe den Fehler gemacht und diesen Hinweis ignoriert. Ein Vorabtest an einer nicht optimalen Position, der eine Woche lang andauerte, lieferte gute Ergebnisse. Nach der Installation war das Nutzererlebnis über 2 Monate hinweg auch hervorragend, dann kam aber die Ernüchterung.

Zu bestimmten Uhrzeiten traten dann regelmäßig Verbindungsabbrüche für wenige Sekunden (1-3 Sekunden) auf. Anscheinend hatte sich die Satellitenkonstellation geändert und in wiederkehrenden Zeitfenstern konnte meine Dishy (so wird die Satellitenschüssel von Starlink häufig liebevoll genannt) keinen Satelliten mehr erreichen. Dies hatte zur Folge, dass ich in Telkos öfter mal kurz einfror - nicht geil.
Statik (Befestigung)
Zur Befestigung der Satellitenschüssel an meiner Fassade habe ich Fischer TherMax 10/220 M10 zusammen mit Fischer Multi MS (elastischer Dichtstoff) eingesetzt (siehe Fischer_Produktinfo_Thermax_2018.pdf). Dieses Abstandsmontagesystem eignen sich super für Installationen auf Wärmedämmverbundsystemen.
Die Fischer TherMax 10/220 M10 sind in Kalksandlochstein-Mauerwerk ausgelegt für Querlasten von bis zu 0,2 kN bzw. 200 N und Zuglasten von bis zu 0,6 kN bzw. 600 N.
Mit folgender Windlast habe ich im Extremfall gerechnet: Die Satellitenanlage ist am Dachfirst in 10-12m Höhe angebracht. Wir leben in einer Vorstadt im Norden von Deutschland, weshalb ich Windzone III und Geländekategorie III (Vorstadt) angenommen habe. In der angedachten Höhe ergeben sich somit maximale Windgeschwindigkeiten von 126-135 km/h. Sicherheitshalber habe ich auf 150 km/h aufgerundet.

Die Satellitenhalterung ist von XmediaSat und hat einen Wandabstand von 60cm und eine Höhe von 30cm. Der Rohrdurchmesser liegt bei 48mm bei einer Materialdicke von 2mm.
Die Wandhalterung hat eine 20cm x 20cm große quadratische Wandplatte mit symmetrisch angeordneten Lochbohrungen an den Ecken. Der Rohr-Mast ist in der Mitte der Wandplatte angebracht und damit ist die Mitte auch der Lastangriffspunkt.
Wenn wir also eine Windlast von ~250 N (F) für die Satellitenschüssel und einen Hebelarm (l = 0,6 m) der Satellitenhalterung annehmen, dann wirkt am Lastangriffspunkt folgender Moment (M):
M = F x l = 250N x⋅0,6m = 150NmDie Zugkraft (FZug) ist das Moment geteilt durch den Abstand der Dübelreihen (d) multipliziert mit 2, da der Moment von zwei Dübel zeitgleich aufgenommen wird.
FZug = M / 2⋅dHieraus ergibt sich eine maximale Zugkraft von
FZug = 150 Nm / (2 x 0,2m) = 150 / 0,4 = 375NDa die Dübel für Zuglasten von 600 N ausgelegt sind, ist hier noch genügend Spiel.
Die Scherkraft (auch Querlast genannt) ist eine Kraft, die parallel zur Oberfläche eines Bauteils oder einer Verbindung wirkt.
Durch die Satellitenhalterung wird die Querlast gleichmäßig auf alle 4 Schrauben verteilt und beträgt nach folgendem Online-Rechner in etwa 63 N: Online-Rechner Schraubenberechnung nach Eurocode 3- Ing.-Büro Hanke



Die TherMax 10/220 M10 sind für Querlasten bis zu 200 N ausgelegt und hiermit ebenfalls ausreichend dimensioniert.
Quellen:
Kabelverlegung
Selbstredend muss die Satellitenschüssel außerhalb des Gebäudes installiert werden und damit muss ein Kabel ins Haus geführt werden - alternativ könnte man den Router außerhalb des Hauses installieren, braucht dann aber auch eine Stromversorgung im Außenbereich, muss den Router geschützt vor Regen anbringen und kann das Internet nur über WLAN im Haus verteilen.
In den meisten Fällen wird das Kabel mit proprietären Stecker durch die Außenwand ins Haus geführt. Der Stecker ist in etwa 16 mm breit und damit empfiehlt sich eine 20mm Bohrung durch die Hauswand. In meinem Fall habe ich noch 16mm² Erdungskabel zur Sicherheit mit verlegt (siehe Blitzschutz) - dies ist aber i.d.R. nicht notwendig.

Das Loch im Mauerwerk habe ich mit Reperaturmörtel von Innen verschlossen. Das Kabel wurde mit einem Dichtungsgummi verlegt und das Dichtungsgummi am Austritt zur Wärmedämmung platziert.

Zu guter Letzt habe ich die Wärmedämmung von Außen wiederhergestellt, indem ich PU-Schaum in die Lochbohrung gesprüht habe. Hierbei sollte man darauf achten, dass der PU-Schaum folgende Eigenschaften aufweist:
schwer entflammbar (B1)
für das Anwendungsgebiet Füllen- und Dämmen geeignet ist
ggf. bei WDVS-Dämmplatten eingesetzt werden darf
Bei mir kam für diesen Zweck Soudal Soudafoam B1 (Soudafoam B1 | Soudal) zum Einsatz.

Da PU-Schaum nicht wasserdicht ist und vor Sonnenlicht geschützt werden muss (PU-Schaum wird durch UV-Licht porös), sollte die Eintrittsstelle verputzt werden oder durch eine Außendose geschützt werden. Ich habe mich für eine Aufputzdose für den Außenbereich entschieden (Berker w.1 1-Fach Aufputzsteckdose IP 55 kaufen bei OBI). Den Abschluss der Außendose kann man mit Silikon oder Fischer Multi MS abdichten.
Quellen:
Blitzschutz (Blitzstromableiter und Überspannungsschutz)
Ein weiteres wichtiges Thema in Bezug auf Starlink ist der Blitzschutz. I.d.R. wird die Satellitenschüssel im blitzschlaggefährdeten Bereich installiert und ein Leiter (Daten-übertragungskabel) ins Haus geführt [Blitzschutz / Potentialausgleich - SAT-Shop Heilbronn | Satanlagen | B]. Die Blitzschlaggefährdete Zone ist immer auf dem Dach oder dann wenn die Antenne mit der Oberkante nicht weiter als 2m von der Dachkante entfernt montiert ist oder auch wenn die Antenne mehr als 1.5m Wandüberstand hat.
Da ich kein Fachmann bin, kann und will ich hier keine Tipps geben. Jedoch sollte das Thema Blitzschutz auch bei Starlink nicht vergessen werden. Es gelten hier ähnliche Vorgaben wie bei Satellitenanlagen.
Installation
Nachdem mein erster Installationsstandort nach einiger Zeit zu wiederkehrenden Verbindungsproblemen geführt hatte, musst ich den Installationsstandort meiner Dishy verlegen. Als Zielstandort wurde die Dachtraufe (wie anfangs geplant) auserkoren. Leider hatte ich nicht genug Kabel außen vorgehalten, um die Antenne ohne weiteres zu verlegen.

Daher musste ich zuerst an das 15 Meter Standard-Kabel ran. An beiden Enden des Kabels legte ich schnitte an. Der überschüssige Teil Innen, der nun Außen als Verlängerung benötigt wurde, wurde einfach herausgeschnitten. Beim Starlink-Kabel handelt es sich im Kern um ein gewöhnliches Cat.5e-Kabel mit Drain-Wire (Ableitdraht für elektrische Störungen) und proprietären Steckern.
Die einzelnen zusammengedrehten Adernpaare wurden entdrillt und dann über ein Crimp-Werkzeug auf einen geschirmten RJ45-Stecker gecrimpt.

Zur Verbindung der beiden Stecker wurde ein RJ45-Steckverbinder (Cat.6) eingesetzt und dieser in einer wasserdichten Installationsdose mit Kabelschellen untergebracht - insbesondere im Außenbereich unerlässlich.

Auf diese Weise konnte ich das Kabel auch etwas kürzen, womit ich die höheren Widerstände durch die Steckverbindungen am Ende sogar wettmachen konnte. 45 Meter sind theoretisch maximal möglich und das längste verfügbare Original-Kabel ist immerhin 25 Meter lang. Wenn man den zusätzlichen Leitungswiderstand von 1,25 Ohm durch 15 zusätzliche Meter beim 25 Meter Kabel zu meinem Setup bedenke, dann sind meine 3 Steckverbindungen dagegen vernachlässigbar.

Nachdem alle Verbindungen wieder hergestellt waren und ein erneutes Hochfahren von Starlink ohne Probleme funktionierte, wurde ich mit freier Sicht auf der Störungskarte belohnt.

Quellen:
Messungen
Beim Speedtest von Ookla habe ich über mehrere Monate Messungen gemacht.

Im Mittel ergaben diese Messungen eine durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit von 137 Mbit/s und 11,75 Mbit/s im Upload. Hierbei ist anzumerken, dass diese durchschnittlichen Geschwindigkeiten eher eine untere Grenze darstellt. Ich habe nach der anfängliche Phase insbesondere Messungen gemacht, wenn mir die Geschwindigkeit langsam vorkam. Des Weiteren inkludiert der Durchschnitt zahlreiche Messungen am alten Installationsstandort.
Mein Eindruck ist ebenfalls, dass Starlink die Downloadgeschwindigkeit bei größeren Dateien priorisiert. So konnte ich beim Downloaden von Spielen auch über lange Zeitspannen eine sehr hohe Download-Geschwindigkeit beobachten.


Fazit
Nach deutlich mehr als einem Jahr Starlink bin ich überaus zufrieden mit dem System. Zur jährlichen Reinigung der Dishy habe ich mir einen Mikrofaser-Fensterreiniger mit Teleskopverlängerung besorgt und kann die Satellitenschüssel jetzt bequem aus meinem Dachgeschoßfenster von Dreck befreien.

Die Satellitenverbindung hat mich nie im Stich gelassen (nach dem Standortwechsel) und auch der Winter mit Temperaturen von -10° C und heftigem Schneefall konnte dem System bisher nichts anhaben.
Die Geschwindigkeit von Starlink ist für meine Anwendungsfälle mehr als ausreichend (VoIP, Office, Video-Streaming, Singleplayer-Gaming). Ich sehe hier lediglich Einschränkungen im kompetitiven Multiplayer-Gaming. Mit einer durchschnittliche Latenz von ~35ms (Jitter 7-9ms) habe ich oft bessere Pings als viele andere Mitspieler beim Casual Gaming, aber gerade im professionellen Bereich sind Glasfaserverbindungen mit ihren stabilen und deutlich niedrigen Latenzen immer noch unschlagbar.
Letztendlich reizt mich auch die enorme Autarkie von Starlink. Im Falle eines Blackouts könnte man mit Starlink und einem kleinem PV-Balkonkraftwerk mit Batteriespeicher weiterhin übers Internet mit der Außenwelt kommunizieren - was über Kabelleitungen nicht mehr der Fall wäre.
Einzig das fehlende Blitzschutzkonzept bei meiner aktuellen Installation nervt mich und wird von mir zeitnah behoben. Hierzu werden ich mir von Fachleuten ein geeignetes Blitzschutzkonzept erarbeiten lassen und umsetzen [z. B. Staberder oder Anschluß an Hauserdungsschiene (HES)].






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